NAGERWELT — Futter-Basics für Meerschweinchen

Meerschweinchen knabbern und futtern den ganzen Tag. Warum eigentlich? Womit kann ich ihnen etwas Gutes tun und was sollte nicht auf dem Speiseplan stehen? Hier erfahren Sie einiges über die artgerechte Ernährung von Meerschweinchen.

Es ist gar nicht so schwer, Meerschweinchen artgerecht zu ernähren. Die Faustformel lautet:
Trockenfutter (Heu, Pellets) + Saftfutter (Gemüse + Gräser) + Wasser [1]

Wasser ist wichtig

Viele Besitzer unterschätzen den hohen Wasserbedarf von Meerschweinchen, der nicht allein durch Saftfutter gedeckt werden kann. So geht man davon aus, dass ein Meerschwein mit einem Kilogramm Körpergewicht ca.120ml Wasser täglich benötigt.[1] Da die Tiere sehr sozial sind und in der Regel in Familien- oder Gruppenverbänden von mindestens zwei Tieren gehalten werden, ist es wichtig, genügend Tränken für alle Tiere aufzustellen.


Meerschweinchen müssen ihren Vitamin-C-Bedarf mit ihrer Ernährung abdecken, da sie nicht in der Lage sind, das Vitamin im Körper selbst zu bilden. Ein ausgewogene Versorgung mit Grünfutter deckt diesen Bedarf in der Regel ausreichend ab [4]. Sollten Sie sich unsicher sein, sprechen Sie Ihren Tierarzt auf eine zusätzliche Versorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin an.

 

Heu – Zahnpflege und Beschäftigung

Damit die Nager ihre ständig nachwachsenden Zähne regelmäßig abnutzen können, sollte man seinen Meerschweinchen Rohfutter wie Heu in geeigneten Raufen zur Verfügung stellen. Auch Äste von Kernobstbäumen oder Haselnusszweige werden von den Tieren gern akzeptiert, da das Nagen auch ein Teil ihrer täglichen Beschäftigung ist. Hainbuche, Ahorn, Linde und Weide sind ebenfalls geeignetes Nagematerial.[1] Falls Sie die Zweige selbst sammeln, achten Sie bitte darauf, dass diese nicht mit Insektiziden oder Fungiziden behandelt wurden.

Heu und Zweige sollten täglich ergänzt bzw. ausgetauscht werden, insbesondere wenn sie auf den Boden des Geheges gefallen sind, um eine Verunreinigung mit den Ausscheidungen der Tiere zu vermeiden.

Täglich frisch: Kräuter, Obst, Gemüse

Das Angebot an Frischfutter kann sich nach der saisonalen Auswahl richten, denn die Palette der für Meerschweinchen geeigneten Kräuter, Obst- und Gemüsesorten ist extrem breit gestreut.

Kräuter: Petersilie, Dill, Salbei, Majoran, Pimpernell, Löwenzahn, Wegerich, Kamille
Obst: Apfel, Birne, Himbeere, Weintrauben, Erdbeere
Gemüse: Möhren (Kraut und Frucht), Kohlrabi (wenig), Fenchel, Brokkoli, Spinat, Sellerie (Knollen- und Staudensellerie), Salatgurke (wenig), Chicorée, Tomate, roter und gelber Paprika sowie alle Blattsalate [1]

Alle Frischfutterbestandteile sollten unbehandelt sein und/oder sehr gut gewaschen werden. Sie werden schnell merken, welches Meerschwein welche Obst- und Gemüsesorten gern mag und welche überhaupt nicht. Einige sind wahre Nahrungsspezialisten und „sammeln“ ihr Lieblingsgemüse, das sie höchst ungern teilen, andere sind genügsam und nehmen von allem etwas.

 


Ein Meerschweinchen, das nichts frisst, sollte schnell dem Tierarzt vorgestellt werden, denn Meerschweinchen haben einen sogenannten „Stopfmagen“. Die eigentliche Magenmuskulatur ist eher schwach ausgebildet und kann die aufgenommene Nahrung nicht selbst weiter transportieren. Durch ständige Nahrungsaufnahme von bis zu 80 kleinen Mahlzeiten wird der Nahrungsbrei in den Darm bewegt. [2] Das bedeutet: sobald ein Meerschweinchen einige Stunden nichts frisst, wird die Nahrung nicht weiter transportiert, es kommt zu Gärprozessen im Magen-Darmtrakt und dadurch zu schmerzhaften Blähungen für das Tier.

 

Das dürfen Meerschweinchen nicht fressen: Pfoten weg!

  • Brot und Getreide dürfen nur in sehr kleinen Mengen gefüttert werden und gehören besser nicht auf den Nahrungsplan von Meerschweinchen*
  • Zwiebelgewächse (u.a. Knoblauch)*
  • Avocados*
  • rohe Kartoffeln*
  • grüne Tomaten*
  • Schokolade und Süßigkeiten*
  • Backwaren*
  • Honig*
  • Joghurt*
  • gewürzte Menschennahrung*
    *vgl. [3]

Blinddarmkot wird doppelt verdaut

Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser, deshalb haben sie einen besonders langen Verdauungstrakt mit einem ausgebildeten Blinddarm. Hier wird der sogenannte Blinddarmkot produziert (Caecotrophe). Dieser Weichkot wird fast unverändert ausgeschieden und von den Meerschweinchen direkt wieder aufgenommen. Durch diese sehr spezielle Art der „doppelten Verdauung“ werden Vitamin K sowie B-Vitamine und spezielle Eiweiße aufgenommen, die für die Tiere lebenswichtig sind.[4]

Es ist nicht schwer, Meerschweinchen ausgewogen zu ernähren. Mit ein paar Hinweisen und einem vernünftigen Speiseplan können sogar Kinder prima bei der Versorgung der kleinen Nager helfen – und ganz nebenbei ganz viel über frisches Obst und Gemüse lernen.

Quellen:
[1] Dilitzer, N. Tierärztliche Ernährungsberatung. Diätik und Fütterung von Hunden, Katzen, Reptilien; Meerschweinchen und Kaninchen, 2. Aufl. München: Elsevier.
[2] http://www.birgit-drescher.de/nagetiere.html (31.03.2017)
[3] http://www.kleintierhilfe-muenchen.de/resources/PDF/Meerschweinchen_Ernaehrung1.pdf (31.03.2017)
[4] Hamel, I. Das Meerschweinchen als Patient. 2 Aufl. Enke Verlag, Stuttgart 2002