Übergewicht — Schönheitsfehler oder Risiko?

Die Zahl der Haustiere, die zu schwer sind, wächst. Bei Hunden und Katzen wird der Anteil übergewichtiger Haustiere auf 30-40 % geschätzt.[1] Längst ist klar, dass Übergewicht bei Haustieren kein Schönheitsfehler, sondern ein schwerwiegendes Problem ist, das ein langwieriges Behandlungs- und Betreuungskonzept verlangt.
 

Woher kommt Übergewicht?

Im Grunde ist es genauso wie bei uns Menschen: Zu viel Futter und zu wenig Bewegung verursachen Übergewicht. Außerdem kann eine bisher gegebene Futterration überdimensioniert sein, wenn sich die Lebensumstände des Tieres durch z.B. eine Erkrankung, zunehmendes Alter oder durch den allgemein geringeren Energiebedarf nach einer Kastration geändert haben. Zusätzlich gibt es auch genetische Veranlagungen oder Medikamenten-Nebenwirkungen, die Übergewicht begünstigen.[2] Wenn Sie eine organische Ursache vermuten oder Sie innerhalb kurzer Zeit eine drastische Änderung des Gewichts, egal ob höher oder niedriger, bei Ihrem Tier feststellen, sollten Sie unbedingt Ihren Tierarzt aufsuchen, um eine zugrundeliegende Erkrankung auszuschließen.

Häufig: Übergewicht nach Kastration

Kastrierte Tiere haben einen bedeutend geringeren Energiebedarf. Im Idealfall finden Tierhalter nach kurzer Zeit ein Gleichgewicht zwischen Futter und Bewegung für ihr Tier. In Zweifelsfällen kann man sich als Tierhalter damit behelfen, das aktuelle Gewicht sowie die Menge der Tagesration über 4-6 Wochen genau zu notieren, um festzustellen, ab welcher Futtermenge das Tier zunimmt.

Geringerer Bedarf mit zunehmendem Alter

Ein weiterer Faktor für einen geringeren Energiebedarf ist das Alter. Ältere Tiere haben längere Ruhepausen und bewegen sich weniger als junge Tiere. Auch hier macht eine langfristige Gewichtskontrolle Sinn.[1]


Wussten Sie, dass zwei Scheiben Salami relativ gesehen einem Hund die gleiche Energiemenge liefern wie einem Menschen 1 ½ Hamburger?
Ein Stück Käse würde einer Katze die Energiemenge liefern, die etwa einer Tafel Schokolade für einen Menschen entspricht?[1]

 

Snack, Leckerli & Co als Gefahr

Ein großer Faktor für Übergewicht sind Snacks, die es mittlerweile in einem riesigen Angebot gibt. Snacks enthalten viel Energie, die wieder abgebaut werden will. Ein guter Ansatz ist es hier, den Snack in die Berechnung der täglichen Futterration einzubeziehen. Die beste Alternative ist natürlich eine ausgleichende Bewegungseinheit wie z.B. ein ausgiebiger Spaziergang oder eine extra Spielstunde am Tag. Das macht Spaß, festigt die Bindung zu Ihrem Tier und bringt beide, Mensch und Tier, in Bewegung.

 

Wie erkenne ich als Tierhalter Übergewicht?

Sobald ein gesundes, adultes Tier 10% über seinem idealen Körpergewicht liegt, kann man davon ausgehen, dass es zu viel wiegt[2]. Ihr Tierarzt kann am besten einschätzen, ob bei Ihrem Tier ein Übergewicht vorliegt, ob diesem eine organische Ursache zugrunde liegt oder ob Faktoren wie die Lebensumstände des Tieres dafür verantwortlich sind.

Um beurteilen zu können, ob Ihr Tier Übergewicht hat, ist es wichtig, zu wissen, wie ein normalgewichtiges Tier aussieht oder sich anfühlt.

 

  • Tiere ohne Übergewicht haben eine wahrnehmbare Taille und der Bauch befindet sich hinter den Rippen. Sollte das Tier einen langen oder dicken Pelz haben, lässt sich die Taille schwieriger wahrnehmen. Hier hilft Abtasten.
  • Wenn Sie mit Ihren Händen über den Brustkasten gehen, sollten die Rippen ohne viel Druck fühlbar sein.
  • Regelmäßige Gewichtskontrollen (ca. alle vier Wochen) helfen dabei, Übergewicht rechtzeitig vorzubeugen. Waagen gibt es in fast allen Tiershops sowie beim Tierarzt Ihres Vertrauens.

Zahlen lügen nicht: Der BMI für Tiere

Was beim Menschen der BMI (Body Mass Index), ist beim Tier der Body Condition Score (BCS).
Ein Tier mit einem Idealgewicht bekommt auf diesem Index 5 Punkte. Einen Punkt darüber bedeutet 10 % Übergewicht, jeder Punkt darunter 10 % Untergewicht. Ab einem BCS von 6 besteht demnach die Tendenz zum Übergewicht.[2]

Möchten Sie wissen, wie es um Ihren vierbeinigen Freund bestellt ist?

Dann können Sie am besten Kontakt mit Ihrem Tierarzt aufnehmen. Dieser kann Ihr Tier wiegen und eine gute Einschätzung für den BCS geben.

Folgen von Übergewicht

Bei einem zu hohen BCS-Resultat kann Ihr Tierarzt Sie beraten und bei einer Diät Ihres Haustieres unterstützen, so dass die Abnahme verantwortungsvoll geschieht. Die Mühe lohnt sich, denn die Folgen von Übergewicht sind nicht zu unterschätzen. Dazu zählen:

  • höhere Belastung des Bewegungsapparats*
  • Diabetes Mellitus Typ II*
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • erhöhtes Narkoserisiko sowie ein erhöhtes Risiko für Haut- und - Tumorerkrankungen*
  • Beeinträchtigung des Immunsystems*
  • geringere Lebenserwartung*
    *vgl.[2]

Gute Gründe, aktiv zu werden! Sprechen Sie Ihren Tierarzt gezielt darauf an, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Tier zu Übergewicht neigt. Zusammen können Sie ein Therapiekonzept erarbeiten, dass Sie und Ihr Tier bald auf einen guten Weg führen wird.
Quellen:
[1] http://www.medpets.de/uebergewicht_bei_haustieren/[29.03.2017]
[2] Dilitzer, N. Tierärztliche Ernährungsberatung. Diätik und Fütterung von Hunden, Katzen, Reptilien; Meerschweinchen und Kaninchen, 2. Aufl. München: Elsevier